Neuerscheinung: März 2019

Die Kolumne "Monas Eseleien" erscheint jeden 2. Samstag.

 

Freu(n)dlose Kinder  

                                                                              

Sozialschwache Menschen haben wenige Freunde – beschämende Tatsache! Arme Menschen – arme Menschlein. Solche Kinder verfügen nicht nur über weniger Spielsachen, weniger Bekleidung und einfacheres Essen; nein, sie haben auch nur wenige oder gar keine Freunde.

Traurig, sehr traurig, wenn ich mir das so überlege – ohne Freunde durchs Leben zu gehen, echt freudlos! Keine Schulter zum Anlehnen, niemand, der mir einfühlsam zuhört und mir die nötige Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Allein diese  Vorstellung drückt schwer auf mein Gemüt. Ich bin ja nur eine Eselin, aber ich bin sowas von glücklich, dass es meine wahren Freunde gibt!

Mein Lebensalltag lehrte mich, die echten von den unechten Freunden zu unterscheiden. Sehr schnell wird die große Schar zum kleinen Häufchen – oder es kristallisiert sich nur noch ein einzelnes Lebewesen heraus – ob Mensch oder Tier, das ist nicht wichtig; getragen und verstanden muss ich mich fühlen. Auf diesen, meinen Freund, kann ich mich verlassen und ich weiß, dass er niemals mein Vertrauen missbraucht!

Es gibt sie tatsächlich noch, die wahren Freunde – und mit intuitivem Bauchgefühl und der nötigen Ausdauer findet man sie.

Dir, liebes Menschenkind irgendwo, wünsche ich von ganzem Herzen einen ehrlichen Freund – ob mit zwei oder vier Beinen!  

 

 

Bis bald!

 

Eselin Mona aus Gleichamberg

 

 

 

Kopflos                                                                                

 

„Ohhh, was bis du für ein kleiner Käfer?! Um Haaresbreite hätte ich dich samt Blume und Gräser aufgefressen!“, erkläre ich meinem winzigen Gegenüber, das aufrecht und keck inmitten einer gelben Blume sitzt. „Pahh, ich bin kein Käfer; ich bin eine Biene! Und überhaupt störst du mich beim Verrichten meiner Arbeit!“, sie surrt  hin und her und steckt dabei ihr Köpfchen tief in die Blume hinein. „Ich möchte nicht unartig sein, aber was machst du da mit meiner Blume, die ich liebend gerne auffressen würde?“, frage ich das Bienchen interessiert. „Die unterschiedlichsten Blumen sind für uns Bienen sehr wichtig, denn diese liefern Nektar. Den saugen wir mit unserem Rüsselchen auf um ihn in der Bienenwabe zu deponieren. Ohne Nektar müssten wir verhungern und der Mensch hätte keinen Honig. Du als Eselin wirst wohl weder Nektar noch Honig essen – aber bestimmt Äpfel und Birnen!“ Mit einem prüfenden Blick nimmt sie mein Kopfnicken wahr und fährt fort: „Damit Früchte gedeihen, müssen die Obstbäume von uns bestäubt werden. Stell dir vor, liebe Mona, ich alleine bestäube bis zu 9000 Blüten täglich – da bin ich abends ganz schön müde. Leider gibt es immer weniger von uns. Weit mehr als die Hälfte der Insekten sind hierzulande bereits qualvoll an Giften gestorben, welche die Menschen auf Pflanzen und Blüten sprühen. Wenn nicht ganz schnell etwas geschieht, werden die Landwirte, wie in China und Japan, mühsam mit einem Pinsel Blüte für Blüte bestäuben müssen! So, jetzt muss weiter, denn ich bin eine fleißige Honigbiene – und denk an mich, wenn du Früchte isst!“ Sagt`s, schwirrt davon und lässt eine nachdenkliche Eselin zurück.

 

Unverständlich, dass die Menschen das folgenschwere Verschwinden der Insekten einfach so hinnehmen. „Erwachen“ werden die Menschen wohl erst, wenn die Preise für Obst in schwindelerregende Höhe steigen und ein Apfel zum Luxusartikel wird. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät!      

 

Bis bald!

 

Eselin Mona aus Gleichamberg

 

----------------------------------------