Neuerscheinung: März 2019

Die Kolumne "Monas Eseleien" erscheint jeden

2. Samstag.

 

Freu(n)dlose Kinder  

                                                                              

Sozialschwache Menschen haben wenige Freunde – beschämende Tatsache! Arme Menschen – arme Menschlein. Solche Kinder verfügen nicht nur über weniger Spielsachen, weniger Bekleidung und einfacheres Essen; nein, sie haben auch nur wenige oder gar keine Freunde.

Traurig, sehr traurig, wenn ich mir das so überlege – ohne Freunde durchs Leben zu gehen, echt freudlos! Keine Schulter zum Anlehnen, niemand, der mir einfühlsam zuhört und mir die nötige Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Allein diese  Vorstellung drückt schwer auf mein Gemüt. Ich bin ja nur eine Eselin, aber ich bin sowas von glücklich, dass es meine wahren Freunde gibt!

Mein Lebensalltag lehrte mich, die echten von den unechten Freunden zu unterscheiden. Sehr schnell wird die große Schar zum kleinen Häufchen – oder es kristallisiert sich nur noch ein einzelnes Lebewesen heraus – ob Mensch oder Tier, das ist nicht wichtig; getragen und verstanden muss ich mich fühlen. Auf diesen, meinen Freund, kann ich mich verlassen und ich weiß, dass er niemals mein Vertrauen missbraucht!

Es gibt sie tatsächlich noch, die wahren Freunde – und mit intuitivem Bauchgefühl und der nötigen Ausdauer findet man sie.

Dir, liebes Menschenkind irgendwo, wünsche ich von ganzem Herzen einen ehrlichen Freund – ob mit zwei oder vier Beinen!  

 

Bis bald!

 

Eselin Mona aus Gleichamberg

 

 

 

Bauer sucht Glück

                                                                  

Ein trauriger Bauersmann war auf der Suche nach Zufriedenheit und Glück. Dafür war ihm kein Weg zu weit, denn er fühlte sich ausgebrannt und unverstanden. Sein mühseliges Tagwerk stand alles andere als im Einklang mit der Natur. Er, der in seinem Herzen ein idyllisches Bild vom Bauernhof mit gesund ernährten und liebevoll gehaltenen Lebewesen trug, produzierte Tiere in Massen zum immer billigeren Stückpreis. Das Futter von seinen Feldern reichte schon längst nicht mehr. Alles reichte nicht mehr! Er war voller Zweifel und Enttäuschung, denn Politiker und Scharlatane hatten ihn zum Knecht der Massentierhaltung gemacht.

Die lebensverachtende und quälende Haltung seiner Tiere musste ein Ende haben! So kam es, dass er allen seinen weggesperrten Kreaturen die Freiheit schenkte. Seit langer Zeit fühlte er wieder Freude und Zufriedenheit in sich aufkeimen, als er sah, wie seine Tiere das Tageslicht und die frische Luft wahrnehmen durften.

Nach sehr langer Reise traf er in einem fernen Land einen abgemagerten, weinenden Mann mit schwarzem Haar und brauner Haut. „Warum bist du traurig?“, wollte der Bauer wissen. „Siehst du diese riesigen Felder? Der größte Teil war früher Wald und etwas Weide für einige Kühe. Dies reichte vollauf für unsere Ernährung! Heute gehört uns nichts mehr. Das Getreide landet in weit entfernten Ländern.“

Mit einem Mal verstand der Bauer: Für „immer mehr“ und „immer billiger“ zahlen am Ende Tier und Mensch einen viel zu hohen Preis, der durch keinen Gaumengenuss gerechtfertigt ist, aber unseren Lebensraum zerstört!

Bis bald!

Eselin Mona aus Gleichamberg

 

 

 

 Herzklopfen

 

Auch ich werde nicht jünger! Nachdem ich mit meinem Eselsohn Kimi herumgerannt bin, als hätten uns Taranteln gestochen, spüre ich meinen Herzschlag bis hoch in den Hals. Unglaublich – schon ein Wunderding, unser Herz! Es pumpt Blut durch unseren Körper und versorgt ihn mit vielem, was wir zum Leben brauchen. Das Herz –  meine Lebensuhr – solange sie tickt, lebe ich!

Im Märchen Schneewittchen wollte sich die böse Stiefmutter sogar das Herz des hübschen Mädchens einverleiben, um den sicheren Tod des schönen Kindes zu besiegeln. Doch der Jäger hatte Mitleid, verschonte die junge Prinzessin und brachte der bitterbösen Königin das Herz eines Wildschweines.

Normalerweise essen ja Menschen nicht ihresgleichen, sondern sie essen uns, die Tiere. Früher war Fleisch teuer und hatte einen hohen Stellenwert. Damals waren die Menschen der Auffassung, wenn schon ein Tier für sie getötet werde, müsse auch alles verwertet werden.

Heute ist Fleisch ein Billigprodukt und die meisten Menschen essen nur noch auserlesene Teile des Tieres. Allerdings gilt es neuerdings als trendy, wenn man in einem noblen Restaurant Tierherz isst, und dafür einen zünftigen Batzen ausgibt.

Verzeih mir meine Gedanken, aber ich stelle mir das Ganze gerade vor: Schön gedeckter Tisch, fackelndes Kerzenlicht, herausgeputzte Menschen in launig angeregten Gesprächen und vor jedem steht ein Teller mit einem Tierherzen.

Ob diese Menschen in ihren Jackentaschen wohl einen Organspenderausweis mit sich tragen?

 

Bis bald!

 

Eselin Mona aus Gleichamberg

 

 

 

„ Stolz erfüllt mich …  

                                                                              

… wenn ich an meinen Vater denke! Mein Vater ist Müllmann auf der spanischen Insel Mallorca“,  mit Eifer und Erhabenheit erzählt Pedro weiter, „weißt du Mona, im Urlaub denken viele Menschen nur an sich und nicht an die Tiere im Meer und an die anderen Menschen. Sie genießen den Strand, die Sonne und das Baden im Meer – und zurück bleibt ganz schön viel Müll. Der Urlaub ist zu Ende und der Rest scheint sie nicht mehr zu interessieren. Aber meinem Papa ist dies alles nicht egal! Gemeinsam mit seinen Kollegen fährt er die Küste entlang und fischt allen Müll aus dem Meer. Die Umwelt und die Tiere im Wasser leiden nämlich enorm unter diesem Dreck. Papa hat schon ganz unmögliche Dinge aus dem Meer gefischt; gestern ein altes Fahrrad und letzte Woche sogar einen Kühlschrank – so ziemlich alles, was Menschen nicht mehr gebrauchen, schmeißen einige ins Meer. Das Wasser deckt alles zu und für die Menschen ist es somit erledigt – aber so geht es doch nicht! Liebe Mona, mein Papa hat keinen Hochschulabschluss, aber sein Beruf bereitet ihm Freude und gibt ihm Befriedigung, denn er macht etwas außerordentlich Sinnvolles! Jeden Abend erzählt er mir von seiner Arbeit, dabei muss er nichts ausklammern oder sich gar schämen; im Gegenteil!“  

„Pedro, wie recht du doch hast! Es gibt viele wichtige und erst noch sinnvolle Berufe – das Wichtigste aber ist, dass es den Ausführenden mit Genugtuung erfüllt und er dabei seine Würde behält!“

 

Bis bald!

Eselin Mona aus Gleichamberg

 

  

 

Hohlkopf

   

Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!

Diese Aussage von Reformator Luther bringt mich ins Grübeln und versetzt mich zugleich ins Staunen. Mit dem Wissen um den Weltuntergang denkt er noch an das Pflanzen eines Bäumchens; ein sehr positiver Mensch. Oder gar ein Hoffnungsträger? Nicht irgendein Baum – nein, einen Apfelbaum, der für die Erkenntnis von Gut und Böse steht, aber auch für Liebe, Fruchtbarkeit und Zuversicht in das Leben und die Natur!

Ich bin, wie du weißt, nur eine Eselin, aber ich glaube, der Herr Luther wusste damals schon, dass der Mensch es irgendwann schaffen wird, seinen Lebensraum auszumergeln, und zwar so, dass alles in Schieflage gerät. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, zumindest symbolisch. Jeder mündige Erwachsene könnte damit beweisen, dass er Verantwortung übernimmt und sicherlich kein Hohlkopf ist, indem er hilft, die heutigen Missstände zu beseitigen, denn dazu sind die großen den kleinen Erdenbürger gegenüber verpflichtet!

Packe du diese, möglicherweise letzte Chance zur Umkehr und zur Einsicht, mit der Erkenntnis, dass nur der Mensch, wissentlich und willentlich, sich selbst in Aus manövriert.

Liebes Menschenkind, nimm einen Apfel, beiße hinein – und danach setze einen Apfelbaum – lass die Hoffnung und die Welt nicht sterben!

 

Bis bald!

Eselin Mona aus Gleichamberg